Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

200

„Die Gewohnheit iſt ein mächtiger Trieb,“ ſagte er wie zu ſich ſelbſt.„Setze das Glas hin, Innocenzia; ich will meine Arzenei nicht von Dir haben. Die Ge⸗ wohnheit iſt mächtig,— ich möchte wol wiſſen, ob— ſie es noch einmal thun würde!“

Er winkte ihr mit der Hand, damit ſie das Glas niederſetzen ſollte. Ich weiß nicht, durch welchen Zauber Innocenzia klar und deutlich ſah und verſtand, was ihr Gatte mit dieſen Worten meinte. Wäre er nicht ſo vollkommen überzeugt geweſen, daß ſie ſeine Andeutung durchaus nicht verſtehen würde, nie hätte er ſich ſo ge⸗ äußert. Aber diesmal, ihm zur Strafe und zur Er⸗ füllung ſeines Geſchicks, wußte ſie im Augenblick, was ſeine Worte bedeuteten. Sie ſchrie leiſe auf und warf ihm einen ſo unausſprechlich traurigen Blick zu, wie er ihn noch nie in Menſchenaugen geſehen. Bei ſtummen, hülfloſen Geſchöpfen trifft uns bisweilen jener geheim⸗ nißvolle Blick des Vorwurfs, der uns ſo tief ergreift. Ihre Hand bebte, das kleine milchweiße Glas fiel herab und zerbrach in tauſend Stücke, und ohne ein Wort zu ſagen, wandte ſie ſich ab. Als ob ein Bann lihn feſſelte, ſo lag Sir Alexis bewegungslos und ſah ſie ſanft und leiſe aus dem Zimmer gehen. Aber ehe noch die weichen Falten ihres Kleides aus der Thüre ge⸗ ſchwunden waren, raffte er ſich empor und rief ihren