Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

198

nugthuung hin, wie es ſie einſt ſo glücklich gemacht hatte. Eines Tages war der alte Diener, der gewöhn⸗ lich in der Nebenſtube ſaß, auf kurze Zeit durch einen anderen erſetzt worden, der dem Patienten nicht ſo ange⸗ nehm war. Innocenzia übernahm daher mit wahrem Entzücken ihre alten Pflichten wieder. Sie gab ihrem Gatten ſeine Arzenei wieder mit einer Gewiſſenhaftigkeit ein, die wahrhaft rührend war. Am Nachmittag wurde der Kranke etwas verdrießlich. Irgend etwas hatte ihn geärgert— was weiß ich— ein Fältchen im Kopf⸗ kiſſen oder eine Fliege an der Wand, vielleicht auch etwas in der Zeitung, die ihm Innocenzia eben vorgeleſen hatte. Er verfiel in eine jener unglücklichen Stimmungen, die man ſo oft bei langſam Geneſenden findet, er ſann über alle nur möglichen Unannehmlichkeiten nach und fühlte ſich veranlaßt, über Alles eine verdrießliche Be⸗ merkung zu machen. Der leiſeſte Widerſpruch reizte ihn. Er gab ſich wol Mühe, ſeine üble Laune zu bemeiſtern, aber es gelang ihm nicht vollſtändig. Um nun wenig⸗ ſtens an irgend Jemand ſein Müthchen zu kühlen, rief er den Diener herein und nachdem er denſelben um einer Geringfügigkeit willen heftig angefahren hatte, ſchien er ſich wirklich beruhigt zu haben. Aber ganz waren die böſen Dämonen noch nicht entflohen. Einige Zeit nach dieſem Ausbruch erhob ſich Innocenzia ſanft