Teil eines Werkes 
3. Band (1874)
Entstehung
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Die Tochter antwortete nicht. Auch ihre Gedanken waren gar oft den Weg zu dem fernen Freunde ge⸗ wandert, freilich ſtets mit dem Gefühl einer gewiſſen Bitterkeit, daß eben er und nicht ein Anderer der er⸗ ſehnte Helfer ſein mußte.

Innocenzia ſchlief wenig in dieſer Nacht. Auch in ihr kämpfte etwas Neues, bisher Ungekanntes. Alle im Hauſe, faſt ohne Ausnahme, hatten Inno⸗ cenzia's Anhänglichkeit an Frederick für Liebe ge⸗ halten, Frederick ſelbſt ju am meiſten, aber das Mädchen hatte nie daran gedacht. Erſt heute Abend war es ihr klar geworden. Aber nicht durch ſich ſelbſt hatte ſie dieſe Entdeckung gemacht. Sie war und blieb immer dieſelbe gegen ihn mit ihrer ſtillen, ruhigen Zärtlichkeit. Nein, Frederick's Blicke, ſeine Worte, ſeine Berührung, ſeine Küſſe hatten die bisher ungetrübte jungfräuliche Ruhe in ihr geſtört. Er hatte ihr geſagt, daß er ſie liebe. Vielleicht würde Innocenzia unter anderen Verhältniſſen dies Geſtändniß mit kindlicher Dankbarkeit aufgenommen und zu ſich ſelbſt geſagt haben, wie gut er doch ſei! Aber in dieſem Falle waren ſeine Worte doch viel zu tief in ihre ohnehin bedrängte Seele gedrungen und hatten ſie mit Furcht und Bangen erfüllt. Sie fühlte inſtinetiv, daß zwiſchen Frederick und ihr ein unüber⸗ ſchreitbarer Abgrund liege, daß ein Geſpenſt ſich zwiſchen

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