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ihrer Anſichten darin, daß der Eine Alles erreicht hatte, was er gewollt, und ſich nun ſicher in Nelly's Gunſt wußte, während der Andere ſich gedrungen fühlte, immer am Platze zu ſein, im Falle ſich etwas zu ſeinen Gunſten ereignen ſollte. Ich fürchte, dies war der Hauptgrund für Mr. Vane, ſich möglichſt nützlich im Hauſe zu machen. Er war immer ſehr heiter, während oft ſehr verſtimmt war. Er war zufrieden mit Allem, was die Damen vorſchlugen, während Ernſt an Allem zu tadeln fand. Nelly hatte ſich daher ſchon oft, wenn auch nicht ohne leiſes Schuldbewußtſein, in vertraulichen Angelegenheiten lieber an ihren„Verwandten“ gewendet, als an ihren Verlobten. So ſtanden die Sachen eben jetzt ſehr gefährlich. Doch war ſich eigentlich Niemand recht bewußt, wie weit ſie ſchon gediehen waren.
Mrs. Frederick war diesmal in einer prachtvollen roſenrothen Seidenrobe erſchienen, deren Schleppe über eine Elle lang war. Ihre ſchönen Schultern und Arme waren unverhüllt. Ihr Haar war nach der neuſten Mode hoch aufgethürmt friſirt; bis tief in die Stirne hinein hingen die goldnen Löckchen. Der wunderbare Farbenſchmelz, die köſtliche Rundung ihrer Formen, die ganze ſinnbethörende Schönheit, die Frederick ſo voll⸗ ſtändig gefangen hatte, ſie war noch immer vorhanden, und dennoch ſchritt der junge Gatte mit einem düſtern


