Teil eines Werkes 
2. Band (1874)
Entstehung
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ihre äußere Erſcheinung auffallen mußte, war, daß das

junge Mädchen mit einem Buche in der Hand den Baumgang auf und nieder ſchritt. Bisweilen flatterte ein welkes Blatt auf ſie herab, und Innocenzia ſchaute

mit einem träumeriſchen Lächeln auf und um ſich, als

hoffe ſie, irgend einen guten Kameraden zu entdecken. Doch kehrte ſie dann immer wieder mit einem leiſen Seufzer zu ihrem Buche zurück. Sie gab ſich viel Mühe, klar zu verſtehen, was ſie las und flüſterte es deshalb halblaut vor ſich hin. Eben beſchäftigte ſie

ſich mit der Geſchichte der Maria Stuart und der Eliſa⸗

beth. Die Tante hatte ihr Lehrer gehalten. Sie hatte Muſikunterricht bekommen und ſpielte auch ganz hübſch Clavier, wenn auch in einer gewiſſen träumeriſchen Weiſe. Franzöſiſch, italieniſch und ſelbſt ein wenig deutſch konnte ſie ſprechen, Dank ihrer ausländiſchen

Erziehung. Was konnte man mehr thun? Sie hatte

ſich endlich auch dazu verſtanden, ein Buch in die Hand zu nehmen, denn es hatte ihr weh gethan, wenn man ſie um ihrer Unwiſſenheit willen auslachte. Eben mühte ſich ſie ab, der alten Geſchichte von den beiden Königinnen ein Intereſſe abzugewinnen. Aber ver⸗ gebens, denn das todte, gedruckte Wort vermochte nicht des Mädchens noch immer ſchlummerndes inneres Leben zu wecken. Das Blatt, das vom Baume fiel, der Stein,