178
rundes Geſicht zeigte Sorgenfalten, die ſonſt nicht dort zu finden waren, und wie ein Schatten lag der Kummer auf ihrer Seele. So hatten die Veränderungen in Haus und Familie das Haupt derſelben getroffen.
Nelly fühlte ſich, wo möglich, noch ſchmerzlicher von ihrem früheren, heitern, harmloſen Sein getrennt. Das Leben war jetzt mit Kampf und Noth an ſie herange⸗ treten, an ſie, die früher nur im Sonnenſchein gelebt hatte. Sie war zwiſchen die Mutter und den Geliebten geſtellt worden und ſchwankte bald hierhin bald dorthin. Denn Beiden zu gefallen, war unmöglich, und ſo quälte ſie ſich beſtändig mit Selbſtvorwürfen aller Art. Bald war es die Mutter, bald Ernſt, um deſſenwillen ſie leiden mußte, das arme Kind! Und doch bemühte ſie ſich ſo redlich, die Beiden zuſammen zu bringen. Mit verzeihlicher Schlauheit hinterbrachte ſie beiden Theilen bald dieſes bald jenes freundlich anerkennende Wort,
das geſprochen worden. Ja, ſie wurde ein kleiner Mantelhänger aus lauter Liebe. Sie war recht un⸗ glücklich und hatte ihren innern Halt verloren. Bis⸗ weilen ergriff ſie eine Bitterkeit, die ſich faſt zur Ver⸗ achtung ſteigerte, wenn ſie die Unthätigkeit ihres Ver⸗ lobten ſehen und doch ſeine heftigen Ausbrüche gegen die Mutter hören mußte. Er wollte, daß alle Welt für ihn da ſein und um ſeinetwillen jedes Opfer gering achten


