keit aufgewachſen. Ihr Vater beachtete ſie kaum, Niccolo,
auf dem die ganze Laſt der Haushaltung lag, hatte wenig für ſie thun können, und doch waren dieſe beiden Ge⸗ ſtalten die einzigen ihr bekannten. Was ſonſt an ihr vorübergegangen war, hatte ſie nie tiefer berührt. Ihre Geiſteskräfte waren ſchwach oder doch ſo wenig entwickelt, daß ſie nie über das, was geſchehen war oder geſchah, nachdachte. Wie durch ein Fenſter hatte ſie auf Welt und Menſchen zeitlebens herabgeſchaut mit einer Art von unklarem Staunen. Weshalb nur dies ewige Kommen und Gehen? Und als endlich der Wirbelwind der Ereigniſſe ſie ſelbſt gepackt und mit fortgeriſſen hatte, Land⸗ und Seebilder in raſchem Fluge an der beſtürzten Seele vorübergeeilt waren, als ſie ſich plötzlich inmitten eines ihr völlig fremden, lachenden, ſchwatzenden Fami⸗ lienkreiſes wiederfand, da kam über ſie ein ſeltſames Ge⸗ fühl. Sie war wie ein Olivenblatt unter engliſchen Buchen und Linden. Sie konnte ſich nicht in die neuen Verwandten finden. Sie hatte weder Intereſſe für däs, was ſie ſagten und thaten, noch auch den Wunſch, es kennen zu lernen. Ja, es verdroß ſie ſogar, daß man ſo oft darnach ſtrebte, ſie ihrer gleichgültigen Ruhe zu entreißen. Wenn man ſie doch zufrieden laſſen wollte! Nicht etwa daß ſie, wie Nelly bisweilen meinte, ſich durch das Bewußtſein, eine arme abhängige Nichte des


