12
meinem Sohne eine gewiſſe Summe geben. Wieviel geben Sie Ihrer Tochter?“
„Ich?— Aber die 5000 Pfund ſind Nelly's Erb⸗ theil von großväterlicher Seite. Ich kann gar nichts thun!“ rief die geängſtigte Frau.
Der große Advocat war innerlich ſehr gelangweilt über dieſe nutzloſe Unterredung, aber er verſuchte mög⸗ lichſt milde der Mutter den Standpunkt klar zu machen. Sollten die Kinder ſich heirathen, ſo mußten die Eltern ein Opfer bringen. Aber wie ſollte Mrs. Eaſtwood dies thun, ohne ihre Söhne zu ſchädigen?
„Ich hätte geglaubt, daß Ihr Sohn durch Ihren großen Einfluß—“
„In meinem Beruf, Madame, gilt eigenes Verdienſt, nicht Einfluß von Vaters Seite,“ unterbrach er ſie faſt rauh. Was blieb der armen Mutter nun noch übrig? Sie ſah, ſie würde ungerecht gegen ihre anderen Kinder ſein, wenn ſie etwas thäte. Aber ſollte ſie andererſeits Nelly opfern? Nelly war ſo glücklich in ihrer Liebe; ſollte ſie ſie zwingen, Ernſt zu entſagen? Ach, das Herz würde dem Mädchen brechen. Nelly war gerade eine Natur, die ſchweigend im Liebeskummer vergehen konnte. So dachte die zärtliche Mutter. Und das alles nur um das elende Geld? So gewann die Beredſamkeit des großen Advocaten doch endlich den Sieg. Noch während


