—
251
Erſte, worauf ihr Auge fiel, ein Bouguet friſcher Blumen, welches auf dem Tiſche lag. Daneben be⸗ fanden ſich einige Bücher, welche ſie vorzugsweiſe gern las, ſammt Schreibzeug und Päpier. 2
Unwillkürlich flogen ihre Gedanken zu der Wär— terin in der Abtei hin, und ſie hoffte den ganzen Tag, dieſelbe eintreten zu ſehen; aber vergebens.
Sie war nirgends wahrzunehmen, und doch redete Alles von deren Nähe.
Madame Roland war jedoch nicht lang in die⸗ ſem ihrem neuen Kerker geweſen, als ſie erkrankte.
Man ſchickte ihr einen Arzt, einen Freund von Robespierre.
Als dieſer nach ſeinem erſten Beſuch ſie verließ, kam die Frau mit der Binde über dem Geſicht herein.
Obwohl krank, ſtieß Madame Roland bei ihrem Anblick einen Ruf freudiger Ueberraſchung aus; aber die Fremde legte wieder den Finger auf den Mund, um allen Fragen vorzubeugen.
Während ihrer ganzen Krankheit wurde die Pa⸗ tientin mit einer nie ermüdenden Wachſamkeit von der Gefangenwärterin gepflegt, aber ohne daß es ihr gelang, nur ein einziges Wort über die verſchloſſenen Lippen herauszubringen. Jedes Mal, wenn Madame Roland die ihrigen öffnete, um ſie anzureden, deutete ſie der Gefangenen mit einem Zeichen an, ſtillzu⸗ ſchweigen.
Der Arzt beſuchte die Kranle täglich, ſprach mit
ihr von Robespierre und redete ihr zu, an ihn zu
ſchreiben.— Nach jedem ſolchen Geſpräche heftete die ſchweig⸗


