Teil eines Werkes 
4. Band (1865) Der Ehestand / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventlow
Entstehung
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ging Madame Roland auf ſie zu, faßte ihre Hand und ſagte mit tiefer Rührung, während ſie auf das mit Blumen geſchmückte Gitter deutete:

Wer biſt Du, die Du mir ſo viele Theilnahme erzeigſt? Woher kommt all dein Mitleid und die Sorgfalt, die Du täglich und ſtündlich an mich ver⸗ ſchwendeſt? Fürchteſt Du nicht, durch dieſe Güte gegen die, welche gehaßt und verfolgt wird, dein eigenes Leben in Gefahr zu ſetzen?

Anſtatt zu antworten, führte die Frau mit einer Bewegung leidenſchaftlicher Zärtlichkeit Madame Rolands Hand an ihre Lippen, während ſie zugleich die Binde noch tiefer über ihr Auge niederzog, und eilte dann aus der Zelle hinweg.

Einige Tage verfloſſen.

Madame Roland bekam die ſeltſame Wärterin nicht zu ſehen; endlich ſtellte ſie ſich wieder ein und ließ, als ſie wegging, auf Madame Rolands Tiſch Tinte, Feder und einen überſchriebenen Streifen Papier zurück.

Letzterer enthielt folgende Worte:

Ihr Mann befindet ſich in Rouen, Ihre Tochter

iſt der Pflege von Madame Creuzé de la Touche

anvertraut. Sie können ohne Furcht für dieſelben ſeyn. Merken Sie ſich das und machen Sie keine Fragen.

Madame Rolands Thränen floſſen aus Dank⸗ barkeit gegen die, welche ihres Herzens bitterſte Unruhe errathen hatte und nun dieſelbe zu beſchwichtigen

ſuchte.