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ausgewählt, als ob ſie den Geſchmack der Gefangenen gekannt hätte.
Madame Roland wurde in den erſten Tagen ihrer harten Gefangenſchaft von Angſt über das Schick⸗ ſal ihres Mannes und ihrer Tochter beherrſcht; aber gleichwohl konnte ihr die Milderung, welche nun ſtatt fand, nicht entgehen, und eines Morgens re⸗ dete ſie ihre ſtumme Wärterin, als ſie friſche Blumen hereinbrachte, an und machte einige Fragen; aber zur Antwort darauf legte dieſe einen Finger auf ihre Lip⸗ pen und die andere Hand auf's Herz und eilte hinaus.
Madame Roland machte keine weitern Fragen mehr; aber ſie fühlte, daß dieſe häßliche und entſtellte Frau für ſie ein guter Engel war, welcher durch
tauſend kleine Aufmerkſamkeiten ihr den Kelch, den ſie zu leeren berufen war, weniger bitter zu machen ſuchte.
Es gereichte der von Mann, Kind und Freunden getrennten Frau zum Troſt, wenn ſie ihre Wärterin zu ſehen bekam, obwohl der Mund derſelben immer wie verſiegelt ſchien.
Daß ſie jedoch nicht taubſtumm war, konnte Madame Roland daraus entnehmen, daß wenn die letztere einen Wunſch ausſprach, deſſen Erfüllung im Bereiche der Möglichkeit lag, die ſchweigſame Wärterin denſelben auch in Wirklichkeit ſetzte.
Eines Tags, als Madame Roland in tiefere Kümmerniß als gewöhnlich verſunken war und ihren Betrachtungen ſo völlig nachhing, daß ſie auf das,
was um ſie herum vorging, gar nicht achtete, hatte


