Jean, für deſſen Erziehung ſie ihr eigenes Kind völlig beraubt und zu fllaviſcher Arbeit verurtheilt hatte. Es war ein bitterer Augenblick für die alte Frau
An demſelben Abend erhielt Manon auch ein Schreiben von Jean. Es enthielt glühende Bitten
um Gegenliebe und redete davon, wie ſie durch die
Gabe ihrer Hand ihn zu einem beſſern und edlern Menſchen machen würde anſtatt, wie jetzt, ſein Herz mit Füßen zu treten und ſein Leben zu zerſtören. Er bettelte nur um einen Schimmer von Hoffnung. Er flehte um mehr als um ſein Leben; um ſeine zeitliche und ewige Wohlfahrt.
Manon, welche niemals ein lebhafteres Intereſſe für Jean gehegt, welche das durch ſeine Handlungs⸗ weiſe Marie zugefügte Leiden vor Augen hatte und die Wirkung ſeines Briefs auf Madame Briſſet be⸗ merkte, empfand nicht einmal Theilnahme bei ſeiner Qual, als ſie deren Schilderung las, ſondern ſchrieb zur Antwort:
„Verſuchen Sie, den Tag in Nacht, das Son⸗ nenlicht in Finſterniß zu verwandeln, es wird Ihnen
eher gelingen, als meine Kälte in Liebe, meinen Ab⸗
ſcheu in Achtung zu verwandeln. Ich werde niemals im Stande ſeyn, in meinem Herzen auch nur dem Mitleid mit demjenigen Raum zu geben, welcher mit einem Herzen, wie das von Marie, geſpielt hat.“
T rnf erhielt Manon ein kleines Billet, welches alſo lautete:
„Manon, Sie haben meine Liebe verſchmäht;


