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VI.
Ein Jahr nach den drei erwähnten Hochzeiten wollen wir einen Beſuch bei dem Bezirksrichter Cvin machen. Er hatte eine ſchöne Wohnung in der Vor⸗ ſtadtmarktſtraße. Alle Zimmer waren hell erleuchtet, woraus ſich ſchließen ließ, daß man Gäſte er⸗ wartete.
„Weißt Du, Nils, ich finde, daß deine Coufine, die Freiherrin Stralkrona zu ihrer Stellung als vor⸗ nehme Dame nicht recht paßt. Ihre Erziehung iſt ſehr vernachläſſigt worden,“ bemerkte Sirena gegen ihren Mann, welcher in voller Toilette auf einem Sopha ſaß und mit den Quaſten deſſelben ſpielte.
„Dieß kommt daher, weil Du ſie blos dem Aeußern nach kennſt: denn Amy iſt eine an Ver⸗ ſtand und Gemüth ſehr gebildete und zartfühlende Frau, aber viel zu gut und natürlich, um in alle die kläglichen Forderungen der Konvenienz ſich ein⸗ ſchnüren zu laſſen.
„Sehr verbunden,“ fiel Sirena mit etwas em⸗
pfindlicher Miene ein,„als ob Vernunft und guter
Ton ſich nicht miteinander vereinigen ließen?“
„Ja, bei dir, meine geliebte Sirena, bei dir läßt ſich Alles vereinigen; aber ſiehſt Du, mein Engel, es gibt nur ſehr wenige, welche dir gleichen, und Du mußt das auch gar nicht begehren,“ ant⸗ wortete der verliebte Chemann, ergriff mit Leiden⸗ ſchaft ihre Hände und wollte ihr einen Kuß rauben.


