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Schon ehe mich der Tod elternlos gemacht, hatte er ihm ſeine Gattin geraubt. Der Oheim war alſo für mich und ſeine Söhne Vater und Mutter zugleich.
Seine und meiner verſtorbenen Mutter ältere Schweſter beſorgte ihm die Wirthſchaft.
Muhme Monika war eine ganz gewöhnliche Frau, nicht beſſer oder ſchlechter als tauſend andere. Das einzige Hervorſtechende bei ihr war, daß ſie eine faſt leidenſchaftliche Liebe zu ihrem jüngſten Neffen Ger⸗ hard hegte, welchen ſie ſeit dem Tode ſeiner Mutter, als der Knabe erſt ſechs Monate alt war, unter den Händen gehabt hatte.
Meine beiden Vettern Rolf und Gerhard waren an Gemüthsart und Charakter einander ſo ungleich wie Tag und Nacht.
Der erſtgenannte war ſanften und ernſten Sin⸗ nes. Seinem Vater in Gedanken und Anſichten ähn⸗ lich, liebte er das Gute, Schöne, Edle und war voll⸗ kommen davon überzeugt, daß man auch im verborgen⸗ ſten Winkel der Erde nützen könne, wenn man nur die Liebe zu ſeinem Nächſten über die Liebe zu ſich ſelbſt ſetze. Rechtlich geſinnt und feſt, gehörte ſein Charakter zu denen, welche leicht ein Gepräge von Strenge an⸗ nehmen, wenn ſie übervortheilt werden.
Gerhard dagegen war bildſchön von Geſicht, leb⸗


