Teil eines Werkes 
3. Band (1875) Zwei Brüder / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Emil J. Jonas
Entstehung
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getheilt habe, will ich im Zuſammenhange mit derſel⸗ ben die wahre Geſchichte meines eigenen Lebens fort⸗ ſetzen.

Mein Oheim, der mich wie ſein eigenes Kind er⸗ zogen, war ein warmherziger Chriſt, ſtreng in ſeinen Sitten, ernſt in ſeinen Gedanken, feſt in ſeinem Glau⸗ ben und unbeſtechlich in ſeinem Pflichtgefühl.

Er hatte auf dieſelbe Art wie ſein Vater und Großvater ſein Land bebaut, ſein Weinfeld bearbeitet und durch Leſen und Studien ſeinen Geiſt gebildet.

In ſeinem Jünglingsalter hatte er ein paar Jahre auf einer der bedeutendſten Univerſitäten Deutſchlands zugebracht und dort den Grund zu dem Wiſſen gelegt, welches er ſpäter ſein ganzes Leben hindurch verwerthete.

Im täglichen Umgange mit meinem Oheim zu leben und ihn nicht zu lieben, war unmöglich. Im Widerſtreit mit ſeinem Willen zu handeln, etwas zu thun, was ihm mißfiel, war ein Verſtoß, den ich ſchon als Kind für ein Verbrechen gehalten haben würde. Obwohl ich noch klein war, konnte ich doch zu ſeinen Füßen ſitzen und auf ſeine Worte wie auf eine erha⸗ bene und großartige Muſik lauſchen, die ich ſicherlich nicht recht faßte, die aber deſſenunerachtet mein Ohr bezauberte. Kurz, ſo lange ich zurückzudenken ver⸗ mag, war er das Theuerſte, was ich beſaß.