Teil eines Werkes 
2. Band (1875) Um das 17. und 21. Jahr / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Emil J. Jonas
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24¹

Heftigkeit an ſeine Lippen. In den ſonſt todten Au⸗ gen glänzten Thränen.

Jahre waren verſtrichen, ſeit etwas, einem zärt⸗ licheren Gefühl Aehnelndes ſich in meinem Herzen für ihn gerührt hatte; jetzt aber, wo er ganz entblößt da⸗ ſtand, ohne Ausſicht, mich jemals wieder aus meiner tiefen Armuth emporrichten zu können, jetzt empfand ich ein tiefes Mitleid mit dieſem Manne, der mich ins Elend geſtürzt hatte. Ich umſchlang ſeinen Hals, ich weinte und bat ihn, zu bleiben. Mein Herz war ge⸗ demüthigt unter der Zucht des Herrn, und jedes Un⸗ recht war vergeben.

Axel hob meinen Kopf empor und drückte einen Kuß auf meine Stirn, indem er ſagte:

Nein, Elin, ich muß fort. Ich will nicht blei⸗ ben und Dich dahin bringen, daß Du zu Gott beten mußt, Dich durch den Tod von dem Manne zu be⸗ freien, der Dein Schutz hätte ſein ſollen. Leb' wohl! Grüße unſern Sohn und bitte ihn, ſich vor den Feh⸗ lern ſeines Vaters zu hüten.

Arxel entfernte ſich, und ich verbrachte die Nacht allein in unſerer ausgeplünderten Wohnung. Alfred hatte ſich auf mein inſtändiges Bitten zu dem Sohn des Pfarrers begeben, um dort bis zum nächſten Mor⸗

gen zu bleiben. Schwartz, Novellen. II. 16