28
und hinzu gefügt, daß ſie diejenige, welche ſie zu ihrer Pflegetochter erwählen würde, zu ihrer Erbin einſetzen werde. Sie erſuchte ſie, ſich am erſten Juni bei ihr einzufinden.
An dem beſtimmten Tage langte die Kammer⸗ räthin mit ihrer Nichte Gertrud auf Elfborg an. Es war etwas ſpät des Abends, und die Haushälterin, Frau Magdalene Oviſt, begrüßte ſie mit dieſen Worten:
„Liebe, verehrungswürdige Frau, es war nicht klug von Ihnen, ſo ſpät zu kommen. Luuiſe hat ſich den ganzen Nachmittag darüber geärgert und iſt durch⸗ aus nicht gut geſtimmt gegen das Kind.“
Magdalene ſtreichelte Gertrud ganz vertraulich die Wange, verneigte ſich mehrmals gegen die Kammer⸗ räthin und führte ſchließlich die beiden Gäſte nach den für ſie beſtimmten Gaſtzimmern.
Frau Magdalene Oviſt war ein paar Jahre älter als Louiſe, ihre Herrin. Im Alter von ſechszehn Jahren war ſie nach Elfborg gekommen, um bei den inneren Geſchäften des Hauſes zu unterſtützen. Als Louiſe dreizehn Jahre alt war, verheirathete ſich die damals neunzehn Jahre alte Magdalene mit dem Inſpector auf Elfborg, Karl Oviſt, und wurde ein paar Jahre ſpäter Vorſteherin des Hauſes bei Johann Axenberg,


