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Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
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Während dieſe Erklärung im Cabinet ſtattfand, trug ſich im Salon Folgendes zu:

Marie, welche den ganzen Tag in ihrem Zimmer

eingeſchloſſen geſeſſen und auch an den geſegneten Weihnachtsgeſchenken gearbeitet hatte, war in den Salon hinunter gegangen, um ſich nach Mar zu er⸗ kundigen und zu fragen, wie er ſich bei der allge⸗ meinen Aufräumerei, nachdem er einen ganzen Tag allein geweſen, befände. Sie fand ihn auf dem Sopha liegend und Eduard in voller Carriere mit einem Kreiſel auf dem Fußboden herumſpringend.

Ach, Marie! rief Mar und ſtand auf, indem er ihr die Hand reichte,wie war mir doch der Tag lang geweſen, weil ich Dich vermißt habe.

Ich danke Dir, daß Du mich vermißt haſt.

Maria ſetzte ſich neben ihn.

Tante Marie, Tante Maria! darf ich zu Lena hinunterſpringen und mir eine Bretzel geben laſſen? rief Eduand, indem er ohne Antwort abzuwarten, hin⸗ ausſtürzte.

Weißt Du, Märie, was ich dachte, während ich mir ſelbſt überlaſſen war?

Loß mal hören.

Wenn es nicht eine gottloſe Handlung von mir wäre, da ich nicht immer eine Controle über meine Seelenthätigkeit habe, ſo würde ich Dich fragen, ob Du nicht der gute Engel meines Lebens werden woll⸗ teſt; denn, wenn Du, wie heute, fort biſt, dann hüllt ſich meine Seele wieder in ihren finſteren Schatten. Jetzt wage ich nicht, dieſe Frage an Dich zu richten, denn das hieße Dein Leben opfern, das wäre Gott verſuchen, das wäre.

Das wäre das einzige Glück, das ich mir

wünſche, Mar, antwortete Marie mit ſeelenwoller

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