Druckschrift 
Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

205⁵

rungen zu quälen und die Bande mit Füßen zu tre⸗ ten, welche ſie früher an einander gefeſſelt hatten. In ihrer Stelle würde ich nur eine hohe Verachtung ge⸗ gen eine ſolche Wankelmüthigkeit empfinden.

Denkt Fräulein Marie eben ſo ſtreng? fragte Stuart.

Marie ſah ihn mit einem ernſten Blick an und agte:

Ein Mann, welcher ſo leichtſinnig mit den hei⸗ ligſten Banden ſpiekt, muß moraliſch ſchwach ſein, und nicht die Feſtigkeit des Charakters beſitzen, welche es allein möglich macht ein beſtändiges Glück in der Ehe zu hoffen. Ich würde es nicht wagen das Glück mei⸗ nes Lebens ſo unzuverläſſigen Händen anzuvertrauen.

Ja, ſo kann die kalte Vernunft raiſonniren; aber wenn Du dieſen Mann kennen würdeſt, dann würde Dein Herz eine ganz andere Sprache führen. Er würde dann tauſend Entſchuldigungen für ſeine Hand⸗ lungsweiſe ausfindig machen, fiel der Rittmeiſter ein und betrachtete Ebba mit einem traurigen Blick.

Die Liebe iſt die Macht, welche alle Verhältniſſe ebnet und uns nachſichtig macht, fuhr Stuart fort.

Liebe Ebba, ſitze nicht ſo ſchweigſam, rief die Obriſtin,ſondern komm uns zu Hilfe. Findeſt Du es nicht anſtößig, daß Menſchen auf eine ſolche Weiſe mit der Heiligkeit der Che ſpielen. Du darfſt nicht ſchweigen, wenn von einem ſo wichtigen Thema die Rede iſt.

Wenn ich es thue, beſte Tante, ſo geſchieht es nur darum, weil das Wort Eheſcheidung für mein

Gefühl etwas Widerliches hat. Es kommt mir vor,

wie ein Hohn auf alle menſchlichen Nerven. Hat aber eine ſolche einmal ſtattgefunden, haben einmal zwei Gatten mit einander gebrochen, dann kann man an⸗