———
201
zubrachte, ſprach er von ſeinem, wie er glaubte, tod⸗ ten Kinde und wünſchte, daß es gelebt hätte.
„Ich warf dann die Erzählung von meinem erſten Aufenthalt an dieſem Orte und wie haſtig das Kind und Marie verſchwunden ſeien, ganz unbefangen hin, ohne jedoch auf irgend eine Bekanntſchaft mit ihr hin⸗ zuweiſen. Meine Erzählung hatte zur Folge, daß er an dem Tode des Knaben zu zweifeln begann, und dieſe Zweifel verwandelten ſich in die beſtimmte Ueber⸗ zeugung, daß das Kind lebe, als ich ihm den von mir gefundenen Brief vom Freiherrn Renner zeigte. Er beſchloß jetzt, nach Schweden zurück zu reiſen und wo möglich ſein Kind wieder zu ſehen.“
„Iſt mein Bruder in Schweden,“ rief der Ritt⸗ meiſter verwundert.
„Ja, mein Herr, er und ſein alter Bedienter hal⸗ ten ſich in Stockholm auf und können bald hier er⸗ wartet werden. Ich übernahm es, ihm ſichere Aus⸗ kunft darüber zu verſchaffen, ob ſein Kind lebe, oder ob es wirklich todt ſei. Er wollte ſelbſt nicht eher ins Vaterhaus zurückkehren, als bis er wüßte, daß Mathilda ſich nicht dort aufhalte, weil er einen wirk⸗ lichen Abſcheu davor hegt, ſie wieder zu ſehen. Darum ſuchte ich mit Ihrem Vater bekannt zu werden und nahm ſeine Einladung, hieher zu kommen, an. Ich glaubte Ihrem Bruder die Genugthuung ſchuldig zu ſein, ihm über ſein Kind Auskunft zu verſchaffen, da ich unglücklicherweiſe der Urheber ſeiner Leiden geweſen. Daß der Haß zu Mathilda ſich in meine Handlungs⸗ weiſe hineinmiſchte, können Sie leicht begreifen. Der Anblick von ihr und die Keckheit, womit ſie auf Ebba den Schatten einer geſchiedenen Frau zu werſen wagte, rief die Rachgier und den Wunſch in mir hervor, ihren Uebermuth zu dämpfen. Und jetzt
.


