Druckschrift 
Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

von dem, was in Piſa vorgefallen, Etwas zu erwähnen.

Mit den milden nund ernſten Worten einer Schwe⸗ ſter ſuchte ſie aus meiner Seele alle jene gehäſſigen und bitteren Gefühle zu verbannen, welche mich be⸗ herrſchten; aber mein Herz blutete noch zu ſtark von den Wunden, welche ich mir ſelbſt zugezogen, als daß ich ihre Worte hätte recht auffaſſen können.

Auf meine Frage: wie ſie dazu käme, ſich hier aufzuhalten, antwortete ſie ausweichend; als ich aber geſund wurde, ſuchte ich dem Geheimniſſe auf die Spur zu kommen, von dem ich vermuthete, daß das⸗ ſelbe von Mathilda herrührte.

Mein früherer Bedienter erwähnte der Geburt des Kindes kurz nach der Heirath Mathilda's. Ihr Bruder ſcheint einige Tage, nachdem ich und Ebba abgereist waren, näch Neapel gekommen zu ſein.

Als Marie und ich uns trafen, nachdem ich dieſe Aufklärungen erhalten, ſagte ich zu ihr:

Du widmeſt dem Sohne Mathilda's die Pflege einer Mutter.

Marie wechſelte die Farbe, antwortete aber ruhig:

Du irrſt Dich, es iſt nicht Mathilda's Kind.

Alle meine Bemühungen, wieder auf das Thema zu kommen, ſcheiterten an Mariens beſtimmten und ausweichenden Antworten. Ein Brief kam von, Piſa an und am Tage darauf waren Marie und das Kind verſchwunden. Während der Zeit, wo ich noch im Landhauſe verweilte, logirte man mich in das

Zimmer ein, welches Marie bewohnt hatte, weil man

es für gemüthlicher und geräumiger hielt. Ich fand dort in den Schubladen eines Schreibtiſches einen Brief, den man vergeſſen hatte, und der, wie ich fand, Maoriens Abreiſe veranlaßt hatte. Sie kennen den