Druckschrift 
Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

196

durch eine ſchimpfliche Gerichtsverhandlung nicht be⸗ ſchmutzen, mich nicht zur Zielſcheibe zweideutiger Ver⸗ muthungen und des Tadels machen wollen, nachdem ich Deinetwegen meine Liebe geopfert.

Mathilda, ich will das falſche und betrügeriſche Weſen los ſein, welches mir Liebe vorgelogen; welche ſich nur aus Berechnung, Eigennutz und verletztem Stolze an mich verkauft hat, weil ein Anderer ſie ver⸗ ſtoßen hatte; welche, von dieſen elenden und verächt⸗ lichen Beweggründen getrieben mir ſchon als Braut Beweiſe gab, welche mich zu glauben berechtigten, daß ich ausſchließlich geliebt ſei, das aber, trotz alledem, nachher frech meine heiligſten Gefühle mit Füßen ge⸗ treten und jetzt mit lauter Stimme erklärt, daß Alles eine gräßliche Betrügerei geweſen. Ich werde mich von dieſem Weibe ſcheiden laſſen, und müßte ich auch mich und ſie entehren und meinen und ihren Namen mit Füßen treten..

Darauf verließ er das Zimmer.

Jener Unbekannte, von welchem mein Bruder ſprach und den Mathilda mir beim Namen nennen wollte, waren alſo Sie?

Ja, leider war ich es, welcher die Urſache wurde, daß Ihr Bruder die Bande zerriß, welche ihn mit Mathilda vereinigten und

Und deren Auflöſung ihn ſeinen Verſtand koſteten, fiel Carl in aufgeregtem Tone ein.Sie ahnen nicht, in welcher entſetzlichen Gemüthsſtim⸗ mung ich ihn, am Tage nach Ihrer Abreiſe, bei mei⸗ ner Ankunft in Piſa fand.

Der Anblick von mir und der Gedanke, daß ich geliebt ſei, verſetzte ihn anfangs in eine vollkommene Raſerei; aber nach einiger Zeit beruhigte er ſich und

theilte mir die ganze traurige Liebesgeſchichte mit.