31
brod bei meinen Eltern ißt; dann wird Mama Dich aus dem Hauſe hinausjagen, denn Du biſt doch nichts anders, als ein Bettelkind. 2
Weiter kam Mathilda nicht, bevor Ebbas Hand ſchallend auf ihre Wange fiel. Ganz raſend ſtürzte Mathilda auf ſie zu und bei dem heftigen Zuſammen⸗ ſtoß der Mädchen verlor Ebba das Gleichgewicht und fiel in den See, wobei ſie in ihrem Schrecken Mathilda in das Kleid griff und dieſelbe mit ſich in das naſſe Element hinabzog. Die beiden Ruderer fiſchten in⸗ deſſen die beiden Fräulein auf, welche ganz durchnäßt ſchleunigſt nach Hauſe transportirt wurden. Die Frei⸗ herrin bekam Convulſionen und ſtellte nachher die Sache ſo dar, als hätte Ebba Mathilda mit Hauen und Schlagen überfallen und in ihrer Wildheit ſie und ſich ſelbſt in den See geſtürzt. Die Gou⸗ vernante wagte nicht anders, als es mit der Freiher⸗ rin zu halten; ſowohl Marie's wie Ebba's Angaben wurden für gemachte Geſchichten erklärt, die ſie er⸗ ſonnen hätten, weil ſie V athilda nicht leiden könnten. Der Baron wurde ſehr böſe und befahl, daß Ebba zur Strafe für ihre Unart nicht mehr an ſeinem Tiſch eſſen dürfe. Leonora benützte jetzt die Gelegenheit und ſuchte ihn zu überreden, das Mädchen ſchicken. Sie weinte, bat und verſicherte, daß ſie als Mutter nicht ruhig leben könne, denn Ebbä's wildes und unbeſohnenes Gemüth würde auf Mathilda's fanfte Seele ſchädlich wirken und außerdem könnte ja Ebba durch den Einfluß von ihrer Gewaltthätigkeit und ihrem Neid Mathilda Schaden zufügen.
Nachdem der Graf, der Bruder Leonora's, die ſchiefe und unwahre Schilderung der Schweſter von den Temperamenten der Mädchen angehört hatte, ſprach er ernſthaft mit dem Baron, zeigte ihm die


