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Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
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Das Beſtreben ker Mutter das Herz des Vaters ausſchließlich an ihre eigene Tochter zu bindenhatte. auch bei Mathilda dieſelben Bemühungen hervorgerufen. Sie wurde deßhalb darauf eingeübt, das zu thun, was dem Vater gefiel; ihm nach dem Munde zu ſpre⸗ chen und in Allem ſeinen Wünſchen zu entſprechen: dieſes unaufhörliche Bemühen, ſich von der vortheil⸗ haften Seite zu zeigen; dieſes Beſtreben, zu gefallen, nährte bei dem Kinde zwei gefährliche Eigenſchaften: die eine war die, mit Natur und Leichtigkeit irgend welche Rolle, die ihr beliebte, zu ſpielen; zu ſcheinen, was ſie nicht war, und Tugenden zu zeigen, die ſie nicht beſaß; die andere die, dieſes Talent dazu zu be⸗ nützen, ſich einzuſchmeicheln.

Die Folge wurde auch, daß Mathilda's Hauptleiden⸗ ſchaft eine unüberwindliche Gefallſucht, ein ewiges Ja⸗ gen nach Huldigung, ein unaufhörliches Spielen mit den Gefühlen Anderer war, obgleich ihre eigenen gegen diejenigen gleichgültig bleiben konnten, welche ſie be⸗ herrſchen wollte. Aber neben dieſer verkehrten Erzie⸗ hung hatte ſich bei dem Mädchen ein wahres und reines Gefühl ausgebildet: die Liebe zum Vater. Sie ſah von ihrer früheſten Kindheit an in ihm einen Mann von höherer und edlerer Natur, als alle anderen, der durch ſeine Ueberlegenheit vorzüglich zur Liebe und Verehrung berechtigt ſey. So hatte die Mutter ihn Tochter dargeſtellt, und ſo erſchien er ihr auch jetzt.

Der Baron war durch ſeinen edlen Stolz, ſeine feſte Unbeugſamkeit, ſeine große Rechtſchaffenheit, ſein zu gleicher Zeit warmes Herz und ſein ſtrenges, un⸗ erſchütterliches Ehrgefühl, dazu geeignet, Liebe ſowohl, wie Ehrfurcht einzuftößen.

Unbeweglich ſtreng gegen ſich ſelbſt in Allem,