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Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
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was die Geſetze der Ehre betraf, und mit einer faſt romantiſchen Achtung um ſeinen Namen und ſeinen Stand beſorgt, waren alle ſeine Handlungenritterlich, und er verlangte unbedingt von Allen in ſeiner Umgebung, daß ſie dieſes feine Gefühl für Alles, was im Ge⸗ ringſten einen Schatten auf ſeine oder ihre eigene Ehre werfen könnte, mit ihm theilen ſollten. Selbſt mit edler Selbſtbeherrſchung begabt, hielt er jeden Aus⸗ bruch zügelloſer Heftigkeit oder leidenſchaſtlicher Ue⸗ bereilung für einen Fehler, welcher denjenigen, die zu der höheren Geſellſchaft gehören, nie müßten zur Laſt gelegt werden können.

Wenn darum die kleine Mathilda in ihrer Wild⸗ heit und in ihrem Zorn in der Gegenwart ihrer ſchwachen Mutter auf den Boden ſtampſte und ſchrie, und dieſe von ferne die Tritte des Barons hörte, nahm ſie das Mädchen in die Arme, und verſprach demſelben Alles, was es haben wollte, ſobald es nur artig ſei, wenn der Vater herein käme.

Die Thür öffnete ſich und der Vater ſah nun das eiligſt liebenswürdig gewordene Kind, ohne eine Ahnung davon, daß es einen Augenblick vorher eine kleine Furie geweſen und vor ihm nur eine einge⸗ lernte Rolle ſpiele. Wenn Mathilda nicht mehr den Schall von den Tritten des Vaters hörte, überließ ſie ſich aufs Neue ihrer boshaften und zügelloſen Laune.

Einmal hatte ein Diener über das kleine Fräu⸗ lein geklagt und der Vater dasſelbe geſtraft; aber die Mutter jagte ihn fort, weil er ſich unterſtanden hatte zu klagen. 63 Außerdem gewöhnte Mathilda ſich daran, in Ma⸗ rie nur eine von denjenigen zu ſehen, welche ihre Beleidigungen geduldig hinnehmen aber ſie doch un⸗