konnte.
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kleine Stieftochter betrachtet. Die unbedeutendſte Lieb⸗ koſung, welche der Vater dieſem Kinde ſpendete, kam ihr vor, als wenn es ein Diebſtahl an ihrer kleinen Mathilda wäre.
Leonora war allerdings ein an ſich viel zu gutes Weib, um Jemanden böſe werden zu können; aber ihr Egoismus verleitete ſie doch zu Handlungen, welche ziemlich ſtark darnach ſchmeckten.— So wurde z. B Marie ſehr zurückgeſetzt und ihre guten Eigenſchaften überſehen, während das kleine Kind Mathilda ſchon als ein Muſter der Lebhaftigkeit und Liebenswürdig⸗ keit hingeſtellt wurde. Dagegen wurden die geringſten Fehler mit einer ſolchen Genauigkeit hervorgehoben, daß es zuletzt die Wirkung hatte, daß der Baron glaubte, Marie ſei von Natur mit einer großen Menge Fehler behaftet, dagegen aber ſehr ſparſam mit gu⸗ ten Eigenſchaften ausgerüſtet. Seine Liebe zu dieſem Kinde erkaltete deßhalb mehr und mehr, und ſeine ganze Zärtlichkeit widmete er ausſchließlich der kleinen reizenden Mathilda. Sie war jetzt ſein Augapfel, ſein theuerſtes Kleinod, und Marie wurde für ihn nur ein Weſen, welches die Pflicht von ihm erheiſchte, daß er für dieſes ſorge und es erziehe. So hatte Marie ihr achtes und Mathilda ihr fünftes Jahr erreicht, als die kleine Ebba kam, um neue Unruhe in dem eiferſüchtigen Mutterherzen zu erwecken, und das um ſo mehr, als ihre verlaſſene Lage, ihr lebhaftes und raſches kindliches Gemüth ſchon ſeit dem Tode ihres Vaters ſie zu dem beſon⸗ deren Liebling des Barons gemacht hatte.
Sie war außerdem die Tochter ſeiner geliebten Schweſter und ſeines Freundes, und beſaß nur ihn und ihre Tante, die Obriſtin, an welche ſie ſich halten


