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„Du wirſt der ſchweren Pflicht überhoben; denn auch zur erſten Francaiſe bin ich engagirt.“
„Schließlich biſt Du vielleicht für den ganzen Abend engagirt?“
„Das kann wohl möglich ſeyn.“
„Aber warum ſagteſt Du dann: im Falle?“
„Ich bin keine Freundin von Beichten.“
„Darf ich es erklären?“
„Unendlich gern.“
„Du wollteſt mich zwingen, Dich aus Höflichkeit zu engagiren, um das Vergnügen zu haben, mir eine abſchlägige Antwort zu geben.“
„Dich zur Höflichkeit zwingen?“ Marde blickte ihn ironiſch an.„Nein, ein ſo hoffnungsloſer Gedanke iſt mir nie eingefallen. Ich gebe mich nicht mit Un⸗ möglichkeiten ab.“ Sie grüßte jetzt einige Bekannte.
Der Rittmeiſter wandte ſich an Mathilda mit einem Lächeln, das etwas Zweideutiges an ſich hatte.
„Guten Abend, ſchöne Couſine! Ohne Zweifel biſt Du auch für den ganzen Abend engagirt, da ſo viele Biſſen Deines Ueberfluſſes Deinem Schatten zu Theil geworden.“
Mathilda wechſelte die Farbe Marie aber that, als wenn ſie dieſe neue Beleidigung nicht hörte, welche ſo laut ausgeſprochen wurde, daß ſie auch ihre Ohren erreichte.
„Warum fragſt Du darnach? Beabſichtigſt Du vielleicht mich zum Tanze aufzufordern?“ ſagte Ma⸗ thilda und heftete einen forſchenden Blick auf den Rittmeiſter.
„Du antworteſt mit zwei Fragen. Erlaube mir, daß ich um eine einfache Antwort bitte.“
„Ich habe nur den letzten Walzer frei.“ Mathil⸗ da's Stimme hatte einen vibrirenden Ausdruck.


