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Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
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Roſenwolke über ihr Antlitz, und ſie beeilte ſich eine Frage zu beantworten, die der Graf an ſie richtete.

Der Rittmeiſter wandte ſich an ihre Begleiterin, welche ihre Halbſchweſter war.

Gedenkſt Du heute Abend zu tanzen, Marie? fragte er in einem etwas nachläſſigen Tone.

Natürlich, falls ich engagirt werde, antwortete Marie mit einem feinen Lächeln.

Das da war eine höfliche Aufforderung an mich, Dich um den erſten Walzer zu bitten.

Durchaus nicht, zu dem bin ich ſchon engagirt.

Dann war ja Dein falls ich engagirt werde, eine gewöhnliche Weiberheuchelei.

Nehme es, für was Du willſt, lieber Carl; das iſt mir vollkommen gleichgültig.

Wieder eine Unwahrheit, Marie; denn Du biſt gar nicht gleichgültig gegen das, was ich von Dir denke oder ſage; aber in derjenigen Schule, in welcher Du erzogen worden biſt, wäre es recht ſchlimm, wenn Du nicht gelernt hätteſt, die Hauptleidenſchaft der Weiber zu entwickeln? namentlich die, ſowohl im Klei⸗ nen wie im Großen zu betrügen.

Und Du haſt während des Garniſonslebens ver⸗ geſſen, was man berechtigt iſt, von einem gebildeten Mann zu fordern; aber das iſt wahr, Du machſt nur Anſprüche darauf Soldat zu ſeyn.

Marie ſprach die letzten Worte mit einem eigenen ſatiriſchen Lächeln.

Und das rechne ich mir zur Ehre. Doch, warum ſtreiten. Ich werde jedenfalls die erſte Francaiſe mit Dir tanzen. Im Tone lag faſt etwas Beleidi⸗ gendes; aber auf Marie's Geſicht lag die vollkom⸗ menſte Gleichgültigkeit, als ſie antwortete: