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ſchneeweißen und wolkenfreien Stirne, die von einem glänzenden ſchwarzen Haare umgeben war, zu verwei⸗ len vermochte.
Sie war hoch und ſchlank und hatte in ihren Be⸗ wegungen eine Geſchmeidigkeit und eine Anmuth, welche ſie unwiderſtehlich einnehmend machte.
Sie wurde von einem älteren Herrn, mit kalten und ſtolzen Zügen, ſowie von einem Frauenzimmer begleitet, welches einige Schritte hinter ihnen herging. Dieſes Frauenzimmer ſchien etwas älter zu ſeyn und hatte ein Aeußeres, welches vor dem der glänzenden Dame in jeder Beziehung dergeſtalt zurückſtand, daß man ſeinen Blick an ihr vorbeigleiten ließ, ohne daß man auch nur einen Augenblick bei dieſen friedlichen Zügen verweilte.
Dieſe Züge waren nicht ſchön, nicht einmal hübſch; aber darin lag ein Etwas, welches ſowohl Verſtand als Herz andeutete.
Die klaren, hellblauen Augen hatten einen Aus⸗ druck voll Milde und Klugheit; das Haar wie auch ihr Wuchs war klein.
„Ah, ſieh!“ rief der Graf, mit einem Blick auf die Eintretenden,„was ſie ſchön iſt!“
„Ja, wahrhaſtig, Mathilda iſt heute Abend char⸗ mant,“ ſagte der Rittmeiſter; und beide Herren be⸗ grüßten die Ankommenden, indem ſie ſich ihnen näherten.
Frau Mathilda Remmer erwiederte den Gruß, indem ſie dem Grafen verbindlich zulächelte, aber einen ſaſt hochmüthigen Blick auf den Rittmeiſter warf. In
der Tiefe des Auges flammte jedoch hinter dem Stolze Etwas, das einer Frage, einem unruhigen Suchen glich. Als aber der Rittmeiſter nur mit einem kalten Lächeln dieſen Blick erwiederte, ſo verbreitete ſich eine


