51
lebhafter Art erfahren würbe⸗ Sie wollte eine Frau von ſanftem, ruhigem Gefühl ſein. Gleichgiltig hatte ſie die Huldigungen all dieſer jungen Männer entgegengenommen, die wetteiferten ihr Herz zu ge⸗ winnen, Sie hatte dieſelben arm an Geiſt und leer an Seele gefunden. Der Mann ihrer Wahl mußte durch irgend einen hervorſtechenden intellectuellen oder moraliſchen Vorzug ihr Intekeſſe wecken. Herrn Evert von Ochard war es gelungen ſie durch die Lebhaftigkeit ſeiner Unterhaltung und einen gewiſſen Ideenreichthum zu intereſſiren. Er hatte viel geleſen, und wenn ſeine Geiſtesgaben auch nicht gerade glänzend waren, ſo war er gleichwohl genugſam ausgerüſtet um im Geſellſchaftsleben blenden zu können. Dazu trug hauptſächlich ſein ausgezeichnet gutes Gedächtniß bei. Wenige Menſchen beſizen die Gabe ſich auf ſo einnehmende Art über Alles aus⸗ ſprechen zu können was ſie geſehen und geleſen haben. Er wußte in Alles was er ſagte Wärme und Gefühl zu kegen, er wußte den unbedeutend⸗ ſten Sachen Farbe und Intereſſe zu verleihen. Kurz und gut, unſer Bezirksrichter war juſt der ann um einem Mädchen zu gefallen welches das Talent der Wohlredenheit und einen überlegenen Verſtand auf die gleiche Stufe ſezt. Helena betrach⸗ tete ihn als einen Mann von außerordentlichen Geiſtesgaben, mit einem für alles Schöne und Edle offenen Herzen. Die Theilnahme wuchs bis zur Ergebenheit, ſo daß ſie ſich, als er um ihre Hand at, nach einer genauen Prüfung ihres Innern, ſo ſtark an ihn gefeſſelt fühlte als ſie es nur wer⸗ den konnte, und ihm, mit dem feſteſten Vorſaze ihn 4*
—


