waren die Dame und das Pſerd verſchwunden, aber der Wagen hielt an dem Thorhäuschen. „Wer fährt hier?“ fragte Uno den Kutſcher. „Der Doctor,“ lautete die Antwort. Uno ritt nach dem Stall und murmelte: „Ich möchte wetten daß die Reiterin keine an⸗
dere war als Helena. Nun das paßt gut zuſam
men: Genie und Amazone. Wahrlich, ich kann an ſolchen Geſchöpfen nichts zu bewundern finden. Kann wohl irgend ein Genie in der Welt, ſo groß es ſein mag, die ſchamhafte Beſcheidenheit, die Lieblichkeit und Milde aufwägen, welche das Weib auszeichnen ſollen, zumal in der Jugend?“— Damit ſprang der Graf vom Pferde herab, warf dem Stallknecht die Zügel zu und ging hinauf.
Beim Frühſtück, das man im Garten, umgeben von Blumendüften, Vogelſang und der herrlichen Morgenſonne, einnahm, erſchien Helena nicht. Der Bezirksrichter war ſichtlich bei ſchlechter Laune. Wäh⸗ rend Uno mit Sappho ſprach, hörte er die Gräfin Rubens zu Helenas Bräutigam ſagen:
„Mein beſter Evert, Du mußt mir verſprechen doß Du Helena nicht ſo unaufhörlich vorpredigen wirſt was die Leute ſagen werden, wie das aus⸗ ſehe u. ſ. w. Sie iſt nicht ſo erzogen daß ſie je⸗ mals die Sclavin fremden Urtheils wird, ſondern ſie hat von mir gelernt Nichts höher zu ſchäzen als was es wirklich werth iſt. Ihr freies, unverdorbenes Herz wird niemals die kleinliche Erbärmlichkeit ver⸗ ſtehen die man öffentliche Meinung nennt. Laß ſie bleiben was ſie iſt, ein unſchuldiges Kind, und küm⸗ mere Dich nicht um ihre kleinen Gewohnheiten und


