Sie hatte nie geſehen daß Helena ſich einer Bitter⸗ keit überließ, ſie hatte in ihrem Geſichte nie dieſen zornigen und reizbaren Ausdruck, nie dieſengkalten und übermüthigen Stolz geleſen. Uno dachte während er ihr entgegentanzte „Wie doch das Genie die Menſchen blenden kann! Dieſes Perſönchen da gilt für gut und ſanft; weil ſie mit ihrer Phantaſie ſchön und prächtig malen kann, glaubt man, ſie empfinde Alles was ſie in ihrer Extaſe ausſpricht, und gleichwohl iſt ihr Herz leer und von all den Kleinigkeiten erfüllt die dem gewöhnlichſten aller Menſchenkinder ankleben. Hals⸗ ſtarrig aus beleidigter Eigenliebe, läßt ſie ſich weder durch Liebe noch durch Bitten zur Nachgiebigkeit bewegen, weil ſie entdeckt hat daß ich ſie nicht be⸗ wundere und für kein Weltwunder halte. Nein, die genialen Leute ſind gebrechlich wie ein Wagen der nur ein großes Rad und ſonſt lauter kleine hat. Die Folge iſt daß der Wagen nichts taugt, und ſo taugen auch dieſe Muſtermenſchen nicht für das wirkliche Leben. Sie werden von Eigenliebe und nichts als Eigenliebe beherrſcht. Beleidige dieſe, ſo biſt du verloren.— Nein, da liebe ich meine kleine Baſe Ebba mit ihrem warmen Kinderherzen und ihren reinen Gefühlen. Sie belebt die Seele und erwärmt das Blut. Ach! Wer einmal einen ſolchen Schaz zur Begleiterin durch das Leben erhielte.“ 6
Am folgenden Morgen in aller Frühe ſchlich ſich Helena im Reitkleide die Treppen hinab nach dem


