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„Nein, Kind, er wollte keinen Schatten auf Dei⸗ nen Character werfen. Er hat bloß ſeine Anſicht über poetiſche Charactere im Allgemeinen gegen mich ausgeſprochen. Dieſe Anſicht iſt an und für ſich ſelbſt falſch und, was Dich anbetrifft, durchaus un⸗ gerecht.“
„Du willſt ihn entſchuldigen, Tante. Hat er nicht geſagt daß ich nach Beifall haſche?“ „Da Du es aber nicht thuſt, ſo kannſt Du ja über eine ſolche Behauptung lachen,“ ſagte Sappho
und klopfte Helena auf die Wange.
„Es kommt mir vor als ob dieſer Ausdruck mich ſchlimmer gemacht hätte; mein Herz iſt voll von Bitterkeit und Verdruß über die Ungerechtigkeit ſei⸗ nes Urtheils, und in dieſem Augenblick bin ich nicht gut.“
„Nicht?“— Sappho lächelte.—„Sollteſt Du
ihm wirklich ein Leid anzuthun wünſchen?“
„Nein; aber ich möchte ihm das Geſtändniß ab⸗ zwingen baß er mich ungerecht beurtheilt habe.“
Emy und der Bezirksrichter näherten ſich den Sprechenden.
„Von was ſprechet ihr? Helena ſieht ja ganz aufgeregt aus?“ fragte Emy.
„Vdn Uno,“ antwortete Helena. 4
„Dann wundert es mich nicht daß Du aufgeregt biſt, verſetzte Emy lächelnd,„denn Ochard hat mir geſagt daß Du ſo aufrichtig warſt zu erklären daß Uno zu viel ſei, als Du ſingen ſollteſt. Ach, ach, liebe Helena, dießmal haſt Du die Forderungen der Hoflichkeit gänzlich vergeſſen.“ 3
„Aber nicht die der Wahrheit,“ fiel Sappho ein
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