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gen wird.— Die Liebe, wenn ſie das iſt, was ſie ſein muß, des Herzens reinſte und ſchönſte Empfin⸗ dung, iſt eigentlich Nichts als ein Geſchöpf unſerer rein ideellen Begabungen, welche uns beſtimmen, bei einer gewiſſen Perſon alles Schöne, Edle und Ideale, was wir uns ſelbſt gedacht haben, in un⸗ ſerer Einbildung zuſammenzufaſſen. In allem Reden und Thun dieſer Perſon ſehen wir immer das, was wir ſelbſt bewundern, und glauben wirklich, daß alles aus Beweggründen ſtammt, welche in unſerer Phantaſie als die höchſten daſtehen. Es iſt ſomit nicht die Perſon, welche wir eigentlich lieben, ſon⸗ dern das in uns wohnende Ideal, welches wir auf dieſelbe übertrugen, ohne ſehr oft eine andere Ver⸗ anlaſſung zu haben, als daß eine Perſon Etwas in ihrem Aeußern beſitzt, das mit dem Bilde, welches wir in unſerer Phantaſie entworfen haben, in Ueber⸗ einſtimmung ſteht. Nun wohl, mein Fräulein, liegt wohl in einem ſolchen Produkt von unſerem eigenen Innern Etwas, worauf der Name Schwachheit an⸗ wendbar iſt, oder worüber wir vor uns ſelbſt oder Andern zu erröthen haben? Nein.— Wir können es nur beklagen, wenn die Perſon, um welche ſich unſere ſchönen Träume bewegen, denſelben in keiner Weiſe entſpricht, ſondern bei näherer Prüfung ſich als ein unſerer ſelbſt unwürdiger Gegenſtand er⸗ weist. Dann erſt haben wir Grund, uns ſelbſt der Schwachheit anzuklagen, weil die Phantaſie uns ſo völlig irre geleitet hat, daß wir dem Verſtande nicht geſtatteten, den Werth von Jemand zu prüfen, an welchen wir die edelſten Schätze unſeres Herzens verſchwendeten. Oft müſſen wir einen ſolchen ver⸗


