Druckschrift 
Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

261

gegenlächeln ſollten; aber es war eine Ruhe, welche Sturm verkündete.

Als Heyſe eines Tages ſeinen Bruder beſuchte, und Amalia zu Hauſe geblieben war, ließ Graf Fal⸗ tenhjelm ſich anmelden. Amalia antwortete, daß ſie den Grafen nicht empfangen könnte; aber es war zu ſpät, denn er war gleich nach dem Bedienten inge⸗ treten, ohne die Erlaubniß abzuwarten. Sie Jerden ſpäterhin erfahren, durch welche teufliſche Intrigue die Anweſenheit des Grafen in München veranlaßt worden ſei. Während der Graf gegen den Willen Amalia's zu ihr hineindrang, unterhielten ich und Heyſe uns mit Leona. Plötzlich bemerkte ſie:

„Weiß Jemand von ihnen, daß Graf Falken⸗ hjelm ſeit einer Woche ſich hier aufhält?“

Heyſe wurde unnatürlich bleich und erhob ſich von ſeinem Platz. Ich konnte nur mit Mühe ein Nein herausbringen.

„Das wäre ſonderbar,“ fuhr Leona fort; er ging eben vorüber, und bog in die Theatinerſtraße hinein.

Zur Aufklärung muß erwähnt werden, daß Heyſe ſeit ſeiner Heirath in der genannten Straße

Alle Furien des Verdachts erwachten mit voller Raſerei in Heyſe's, und, warum es verbergen, auch in meiner Seele. Ohne ein Wort zu ſagen, nahm er ſeinen Hut und entfernte ſich. Ich wurde durch die Anweſenheit meiner Frau zurückgehalten. Als ſe zu Amalia hereintrat, fand er den Grafen auf en zu ihren Füßen. Alle ihre Schwüre und