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Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
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„Wie befindeſt Du Dich, Thora? Dein Huſten geſtern Abend beunruhigte uns,“ bemerkte Nina herz⸗ lich und ſetzte ſich.

„O, liebe Nina, der hat nichts zu bedeuten, ich merke ihn ſelbſt nicht,“ antwortete Thora und ging auf ein anderes Thema über.

„Es iſt eine Perſon zum Beſuch bei uns ange⸗ kommen, welche mit Dir zu ſprechen wünſcht; aber ich bin in großer Verlegenheit, wie ich dich darauf vor⸗ bereiten ſoll,“ begann Nina.

Ein leichtes Zittern fuhr durch Thora's Körper, als ſie ſagte:

„Nina, es gibt nur eine Perſon, deren An⸗ blick zu ertragen ich nicht Kraft genug zu beſitzen fürchte; es iſt Emil!“

„Er iſt es nicht, ſondern....“ Nina ſchwieg.

„Ach! dann ſind alle Andern mir gleichgültig.“

„Alle? denke genau nach!“

„Ja, alle, alle!“

Thora's Stimme zeugte von der Wahrheit ihrer Worte.

„Auch General Behrend?“

„Er?— O, mein Gott! Du haſt mich alſo erhört.— Weißt Du, Nina, in dieſen Jahren, während welchen ſich mein Vater in fremden Ländern herum⸗ geſchleppt hat, habe ich blos einen Wunſch gehabt, den nämlich, daß das Schickſal mich mit dem General zuſammenführen möchte; aber es fehlte mir an Muth, denſelben gegen meinen Vater auszuſprechen. Jetzt werde ich denn endlich, vor meinem Tode, in all die Dunkelheit, welche mich umgibt, klar hineinblicken.“