Druckschrift 
Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Höre und verſtehe mich recht: Gleich nach unſerer An⸗ kunft in München bin ich mit aller Sicherheit im Stande, ſo zu handeln, wie es mir mein Herz vor⸗ ſchreibt, und laſſe dann unſern Bund vor Gott und Menſchen beſiegeln.— Siehſt Du denn nicht ein, daß dieſer Schritt uns unverzüglich zum Ziele unſerer Wünſche führt? Was thuſt Du damit Böſes?— Vor Gott nichts! Die eine oder die andere tadel⸗ ſüchtige Zunge wird Dich während einiger Wochen verdammen; aber iſt denn das Urtheil ſolcher es werth, daß wir Monate von Glück opfern? Sie ſchweigen jedenfalls, wenn Du meine Gattin wirſt.“

Den Ellbogen auf den Kiſſen und den Kopf auf die Hand geſtützt, hörte Thora ihm todesbleich zu. Ihre Bruſt bewegte ſich unruhig und in dem heftig klopfenden Herzen entſtand ein gewaltiger, aber kurzer Kampf zwiſchen ihrer Liebe, ihrem Gewiſſen und ihrem Stolze. Thora hätte in dieſem Augenblicke ſterben mögen, ſo ſchmerzlich kam ihr die Entſagung jenes reizenden, aber gefährlichen Glückes vor, welches Axel ihr in ſo nahe Ausſicht ſtellte. Ohne das geringſte Zögern begriff Thora klar, daß ſie darauf verzichten ſollte und mußte. Ihre Thränen floſſen reichlich und ſie verſuchte vergebens, ein einziges Wort über die zit⸗ ternden Lippen zu bringen.

„Du ſchweigſt und weinſt; wie ſoll ich Dein Schweigen deuten? Sollte ich denn die Kraft Deiner Liebe überſchätzt haben?“ fiel Axel mit düſterem Blick und aufgeregter Stimme ein.

„Axel, ich leide von Deinen Worten; denn unter ſolchen Bedingungen kann ich nie Deine Gattin werden.

—