„Liebe Nina! Laß mich allein die Sache beſorgen und ſei ohne Unruhe. Thora's Wohl liegt mir zu ſehr am Herzen, als daß ich daſſelbe unbeſonnen blosſtellen ſollte,“ antwortete Frau Alm in ruhigerem Tone und ſtand auf.„Gute Nacht, mein Kind!“ fügte ſie hinzu, und entfernte ſich.
„Möge Gott Alles zum Beſten lenken!“ ſeufzte Nina andächtig.
„Gott, antwortete ihr eine ſpottende Stimme hinter dem Fenſtervorhang,„Gott miſcht ſich gewiß nicht in unſere kleinlichen Angelegenheiten,“ und Cordula trat vor.„Siehſt Du nicht in all dieſem den Finger des Schickſals? Sowohl Tante wie Papa arbeiten mit Händen und Füßen darauf hin, ihren Augapfel den Händen jenes Deutſchen zu überliefern. Nun, Glück zu! Aber ich begreife nicht, was unſer Herrgott mit der Sache zu thun haben ſollte. Wenn er den Gang der Ereigniſſe lenkte, dann ſähe es ganz anders aus. Jetzt erregen die Thorheit und die Blindheit der Menſchen nur Lachen.“
„Deine Rede, Cordula, athmet Bitterkeit und Zweifel; warum willſt Du Dich ſolchen Gefühlen hingeben, welche Dein Leben und Dein Herz ver⸗ zehren werden?“ ſagte Nina und ging zu ihr hin.
„Darum, weil ich das Leben in ſeinem wahren Lichte ſehe; darum, weil ich fühle, wie elend eich Menſchen ſind, welche die Welt bevölkern, und endlich darum, weil mein eigenes Daſein ein Geheimniß iſt, ſo dunkel wie die Nacht. Glaube Du nur an Gott und an das, was gut iſt; ich kann es nicht. Viel⸗ leicht kommt einſt der Tag, wo au


