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Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
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deßhalb ging Thora, der Stimme ihrer Herzens fol⸗ gend, hin zu ihr und fragte zärtlich:

„Was iſt es, meine kleine Cordula, hat ſich et⸗ was Unangenehmes ereignet, daß Du weinſt?“

Cordula erhob ſich heftig, ſchlang ihre Arme um Thora's Leib und ſagte:

„Ich weinte über Dich, Thora, und über Deine Liebe, welche Dich in das größte Unglück ſtürzen wird, weil Du ſie für ihn hegſt. Ol wenn Du wüßteſt, was er iſt!— Eine Zuſammenſetzung von allem Grauſamen und Abſcheulichen. Fliehe ihn, Thora! Sein bloßer Athem iſt ein Gift, welches ent⸗ ſetzliche Qualen mit ſich bringt.

„Raſeſt Du?“ rief Thora erſchrocken.

„Nein, ich raſe gewiß nicht; ich entſetze mich bei dem Gedanken, daß Du vielleicht einſt ſeine Gattin werden könnteſt.“

„Aber, mein Gott, was veranlaßt Dich, ſo von Axel zu ſprechen?“ antwortete Thora und machte ſich von ihr los.

„Thora, ich bin weder ſchwach noch weich, das weißt Du wohl; aber in dieſem Augenblick bitte ich Dich darum, mir zu glauben. Lieutenant Behrend's Liebe wird Dein, wird unſer Aller Unglück; fliehe, während Du noch kannſt.“

„Warum ſollte ich Deinen Worten glauben; ſie haben ja keinen Grund für ſich; Du kennſt ihn nicht mehr als ich?“

„Aber ich ſehe weiter als Du; ich leſe in ſeiner Seele. Es iſt das Erſtemal, Thora, daß ich mich

Schwartz, Die Leidenſchaſten. 3