Druckschrift 
Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

23

„Ach, daß Du niemals von ihm betrogen werben mögeſt. Ich werde es nicht wagen an das Feuer in ſeinen Augen zu glauben; aber Du biſt ſchon von der Leidenſchaft verblendet, und es iſt nicht der Mühe werth mit Dir zu reden,“ ſagte Nina.

Am folgenden Morgen wanderten zwei junge Leute längs dem Ufer des Thiergartenkanals.

In dem einen erkennen wir den Steuermann der Mädchen auf dem Fährboot wieder; ſeine Züge waren regelmäßig; aber der Ausdruck in den dunkelblauen Augen verriethen ein veränderliches Gemüth. Die volle Breite der Stirne nach oben zeugte von einem ercentriſchen Charakter. Das Haar fiel in einer Menge dunkler Locken um die Schläfen hinab; und der wohler⸗ haltene Bart deutete auf eine aufmerkſame Fürſorge für den äußeren Menſchen. Sein Kamerad war ein junger Mann von alltäglichem Ausſehen.

„Nun komme,“ äußerte der Erſtgenannte,„Du verſprachſt mir ja eine kleine Mittheilung über Deine Verwandten auf dem Roſenhügel, denen ich heute Abend vorgeſtellt werden ſoll.

„Mehr als gern, Brüderchen, die ſollſt Du ſofort haben: Wie Du weißt, ſo bin ich ein Schweſterſohn von dem Manne der Majorin Alm; meine Mutter iſt auch eine intime Freundin von ihr.— Die Majorin iſt meh⸗ rere Jahre Wittwe geweſen, lebt von den Zinſen eines