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Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
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Den Sommer über, während die Tante hier draußen geweſen, haben der Onkel und der Lieutenant das Haus unterhalb des Hügels gemiethet. Jetzt kennſt Du die großen Ereigniſſe.

Nina ſchwieg eine Weile und ihr heiteres Geſicht ſah ſehr nachdenklich aus, als ſie endlich antwortete: Es gefällt mir nicht, daß die Tante jenen Fremden in ihr Haus aufnahm; denn man hört zu gut, daß Du in vollem Zuge biſt, Dich in ihn zu verlieben, und Gott allein weiß, ob er Dir Glück bringen kann.

Liebſte Nina, ſpreche nicht ſo ernſt ganz wie die ſelige Tante es zu thun pflegte. Tante weiß beſſer als Jemand, was ſie thut; aber ſieh', da haben wir Cordula.

Ein junges Mädchen von einigen und zwanzig Jahren kam von der Landſpitze her und ging den Hügel hinauf, wo Thora und Nina ſaßen. Sie war klein von Wuchs, aber ſtark gebaut. Die breiten Schultern und die hohe, gewölbte Bruſt gaben ihr etwas Männ⸗ liches. Das Geſicht fiel beim erſten Anblick durch ſeine ſcharfen Züge auf. Die großen und dunklen Augen lagen wegen des ſehr ſtark hervortretenden Untertheils der Stirne, die mit ein Paar gewölbten ſchwarzen Augenbraunen geziert war, etwas tief. Der kleine Mund hatte einen harten Ausdruck. Die Haut war bleich und das Haar dunkel. Das Ganze hatte das Gepräge eines entſchloſſenen und düſteren Charakters. Selten ſchlich ſich ein Lächeln über die ernſt geſchloſ⸗ ſenen Lippen, und niemals öffneten ſie ſich zu einem heiteren Scherz. Es hatte den Anſchein, als wäre das