Druckschrift 
Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

ſchlechter Laune ſetzte ich mich an eine Stickereiarbeit und beſchuldigte in meinem Innern den Lieutenant, welcher ſo lange auf ſich warten ließ, des Mangels an Lebensart u. ſ. w.

Endlich um ſieben Uhr kam der Onkel mit ihm und ſtellte ſeiner Schweſter, der Majorin Alm, und ſeiner Nichte Thora Falk den Herrn Lieutenant Behrend vor.

Ich erhob meine Augen zu dem neuen Gaſt. O, Nina! Wie ſoll ich Worte finden, um ſein Aeußeres zu beſchreiben! Du weißt, daß ich in Phantaſie und Herz eine Künſtlerin bin; gber niemals, nicht einmal in meinen Träumen, habe ich etwas ſo vollkommen Schönes, wie ſein Geſicht geſehen. Stelle Dir ein Paar Augen vor, welche ſchwarz wie die Nacht und glühend wie die Sonne ſind, eine Stirne, auf welcher der Geiſt thront, eine römiſche, edel gebogene Naſe, ein tief ſchwarzes Haar, eine ſtolze, männliche Haltung und eine Apollogeſtalt dann haſt Du doch nur einen ſchwachen Begriff von ſeinem Aeußern; denn wie ſollte man den lebhaften und feurigen Ausdruck in ſeinen Zügen wiedergeben können? Sein Ausſehen iſt bis auf die etwas dunkle Haut ein rein ſüdländiſches.

Ich höre zwar aus Deiner unvergleichlichen Beredtſamkeit, daß Du das Menſchenkind wunderſchön findeſt; aber daraus folgt keineswegs, daß ich daſſelbe thue, fiel Nina lächelnd ein.

Thora fuhr in ihrem Bericht fort: Zu unſerer Ueberraſchung ſprach er leidlich ſchwediſch, obgleich ziemlich gebrochen. Nachdem er