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Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
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Frühling, das heißt im Mai, erhielt die Tante einen Brief, datirt Hamburg, in welchem er ſie von ſeiner nahe bevorſtehenden Rückkehr in Kenntniß ſetzte und ihr zu gleicher Zeit mittheilte, daß er mit einem Lieu⸗ tenant Behrend Bekanntſchaſt gemacht, welcher in einer Familienangelegenheit nach Schweden zu gehen beabſichtige und ſich wahrſcheinlich längere Zeit hier aufhalten werde. Der Lieutenant hätte den Wunſch geäußert, es überhoben zu werden, in einem Hotel zu wohnen, und dann hätte der Onkel mit ſeiner gewöhnlichen Dienſtfertigkeit ihm unſer Haus ange⸗ boten. Jetzt bat der Onkel die Tante, die kleine Woh⸗ nung zwei Treppen hoch in Ordnung zu bringen, welche der Onkel ſonſt ſelbſt bewohnte, die er aber jetzt, mit Ausnahme eines einzigen Zimmers, dem Lieu⸗ tenant abtrat. Sie waren eine Woche nach der An⸗ kunft des Briefes zu erwarten. Ich that Alles, was ich konnte, zur Verſchönerung des Zimmers des erwarteten Ausländers, indem ich dort ein Paar meiner beſten Oelgemälde aufhing. Am Tage, an welchem das Dampſfſchiff Gauthjod ankommen ſollte, war Alles zum Empfange des Fremden bereit; aber es war ein Sturm ausgebrochen, ſo daß das Schiff erſt am Montag ankam. Mittlerweile hatte ich vor lauter Neugierde Fieber. Der Onkel brachte ſeinen Reiſekameraden und deſſen Bedienten nach den Zim⸗ mern, welche für ſie beſtimmt waren, und ich wurde zu mehrerer Stunden weiterem Warten verurtheilt. Niemals iſt die Zeit mir ſo lang vorgekommen; ſie glich einer ganzen Olympiade. Gegen Abend kamen einige Damen zum Beſuch bei der Tante. In ganz