Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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nicht wie früher die Gedanken deiner Seele auf⸗ richtig ausſprechen können? Ich leſe gern in dem Herzen, welchem ich in Marmor Ausdruck zu geben vermochte.

Aber dieſes Herz iſt ein ſchwaches Herz, fiel Sylvia ein und lächelte ihm durch die Thränen zu, welche über ihre Wangen rollten.

Du weinſt, Engel, flüſterte Carl und beugte ſich zu ihr nieder.

Ja, ich weine aus Freude und aus Schmerz. Aus Freude darüber, daß ich dein Ideal war, aus Schmerz darüber, daß ich deine Liebe nicht beſitze. Du haſt in meinem Herzen zu leſen gewünſcht; es ſoll geſchehen. Als Du in mir blos die ſchönſte Offenbarung an Form und Geſtalt ſaheſt, welche dem Auge des Künſtlers ſchmeichelte, lernte mein Herz deine Seele und deinen Geiſt lieben. Ich reiste hinweg, ein Kind, aber dein Bild folgte mir; ich kam wieder, noch ein Kind, und Du warſt beinahe Alles für mich. Wir ſchieden. Jahre vergingen, da wir einander nicht ſahen, aber deine Seele redete zu der meinigen durch deine Briefe; Du warſt, Du bliebſt der unbeſchränkte Herrſcher über mein Herz, das nur durch dich lebte und ſeine Freude an deinen Erfolgen

hatte. Ich wurde meinerſeits geliebt, ich konnte unter 8

Männern wählen, welche eine Frau hätten glücklich machen können; aberfür mich gab es nur einen Mann, und der warſt Du. Sieben Jahre vergingen. Wir ſahen einander wieder. Ich verſtand nicht, daß die Huldigung, welche Du mir darbrachteſt, von dem Künſtler nur der Schönheit galt; ich ſah darin Zärt⸗ lichkeit und war glücklich glücklich, bis es ſich auf⸗