Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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Er war ſchön, dieſer Kopf mit ſeinen entſchloſſenen und doch milden Zügen. Es lag darin ſo viel Cha⸗ rakter, daß man ſagen konnte, er enthalte eine ganze Geſchichte. Die Ruhe, Sanftmuth und das Gepräge von Ernſt, jetzt auf demſelben ruhend, ſchienen die Frucht manches durchgemachten Kampfes und einer unerſchütterlichen Feſtigkeit, welche endlich die Seele durch die ſtürmiſchen Klippen des Lebens zu dem Hafen, nach dem ſie geſtrebt hatte, führten.

Während der Künſtler ſein Werk betrachtete, trat ein junges Mädchen in das Atelier. Sie gelangte bis an ſeine Seite, ohne daß er ihre Anweſenheit merkte. Dort blieb ſie ſtehen. Auch ihre Augen hefteten ſich auf den Marmorkopf, und ein wehmüthiges Lächeln zog über ihre Lippen. Sie ſeufzte. Der Laut dieſes leiſen Seufzers, welcher ſich der Bruſt des jungen Mädchens entwand, weckte Carl aus ſeinen Träumen.

Sylvia, ſagte er, ſie anſehend und die Hand ausſtreckend, während die Stirne, welche vorher von einer leichten Wolke beſchattet geweſen war, ſich auf⸗ klärte;was hältſt Du von meinem Minervakopfe? Iſt er nicht ſchön?

Er gleicht ihr, antwortete Sylvia.

Carl lächelte.

Sie iſt es, und doch wieder nicht, ſagte er.

In wiefern iſt ſie es nicht? fragte Sylvia, und ihre Augen bekamen einen feuchten Glanz.

Dieſes Geſicht gleicht dem Gerda's, wie ſie aus⸗ ſehen mußte, als ſie durch ihre Arbeit Auszeichnung und Unabhängigkeit errungen, und bei ſich ſelbſt fühlte, daß ſie den Sieg über Mangel, Armuth und