Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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bebende Stimme hart neben dem jungen Mann. Er fuhr zuſammen und ſchaute auf.

Junger Künſtler, erinnerſt Du dich noch, wie Du von deinem erſten Ideal träumteſt und demſelben Form gabeſt? Wie ſchön fandeſt Du es nicht? Wie ſchwärmteſt Du dafür und liebteſt das betende Mäd⸗ chen, welches Du in Thon modellirteſt? Wie über⸗ irdiſch mild, demuthsvoll und fromm hatteſt Du es nicht in deiner Phantaſie dargeſtellt? Und dennoch hatte deine Einbildungskraft ſelbſt in jenen idealen Momenten nicht vermocht, ihm jenen entzückenden Ausdruck zu verleihen, welchen das Angeſicht hatte, das jetzt vor deinen Blicken ſich zeigte.

Es lag ein Himmel von Güte, Liebe und Theil⸗ nahme in dieſen Augen, welche zu ihm aufſahen, und des Frauenherzens ſchönſte und heiligſte Geſchichte ſtand in dieſem Lächeln voll Wehmuth, welches jene Worte begleitete, zu leſen.

Sylvia! ſtammelte Carl, faßte des jungen Mäd⸗ chens Hand und legte ſie unter ſeinen Arm.Der Engel des Troſtes erſcheint ſtets im Tempel des Herrn. Habe Dank dafür, daß Du kommſt.

Sie gingen aus der Kirche, ohne daß ein weiteres Wort zwiſchen ihnen gewechſelt wurde.

Als ſie unter das Portal traten, das zu ihren verſchiedenen Wohnungen führte, fragte Sylvia:

Speiſeſt Du heute zu Mittag bei uns und trinkſt auf Gerda's Geſundheit?

Carl ſah ſie einen Augenblick an.

O, Du mein ſchönes Ideal, welche neuen In⸗ ſpirationen gibſt Du mir nicht ein! ſagte er, nur mit ſich ſelbſt ſprechend.Du, und immer Du biſt