„Kennen Sie die Näherin genauer, Guſtavsſon?“ nahm der Profeſſor wieder das Wort!
„Zu der Zeit, da ich bei meinem Bruder in der Lehre ſtand, waren wir Nachbarn,“ entgegnete Calle.
„So, da können Sie dieſelbe fragen, ob ſie mir Etwas abſchreiben will. Ich bedarf für den Augen⸗ blick einer Perſon, welche eine ſchöne Handſchrift be⸗ ſitzt, um mir den Text zu dem Bilderwerk, welches ich herauszugeben beabſichtige, ins Reine zu ſchreiben. Ich werde für daſſelbe bezahlen, was ich einem ge⸗ wöhnlichen Kopiſten gebe, und da meine Concepte deutlich genug ſind, wird es ihr keine Schwierigkeit machen, damit fertig zu werden. Sie bekommt vier⸗ undzwanzig Schilling per Bogen.“
Jetzt entfernte ſich der Profeſſor.
Calle ſetzte ſich nieder, um bei ſich zu überlegen, ob er das Anerbieten des Profeſſors annehmen ſollte oder nicht. Nach einer Weile ſprang er auf und rief:
„Am beſten, ich ſpreche mit Niſſe. Er iſt aller⸗ dings nur ein ſimpler Schuhmacher, aber beſitzt einen unfehlbaren Inſtinkt, wenn es ſich um Recht oder Unrecht handelt, ſo daß er den heilſamſten Rath geben kann.“
Im Augenblick war der Ueberrock wieder ange⸗ zogen, und einige Minuten darauf wanderte er nach Süden.
Der Profeſſor hatte von ſeinem Fenſter aus Calle fortgehen geſehen. Er ſchaute dem jungen Mann nach und dachte:
„Sollte es möglich ſein, daß der Junge mich be⸗ trügt, daß die Ausſagen gegen ihn gegründet ſind?
as wäre zum Teufel.“
Schwartz, Ein Kind d. Arbeit. II. 3


