Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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ſelben befände, änderte aber ſeine Richtung und drehte ſich wieder gegen die Thüre, während er einen ſchnellen Blick auf den jungen Mann warf, welcher ſo aufgeregt erſchien, als fürchtete er auf einem Verbrechen ertappt zu werden. Dieß entging auch Schneider durchaus nicht, aber es lag zur Zeit nicht in ſeinem Intereſſe, dieß merken zu laſſen, beſonders da ſein Beſuch bei Calle durch einen Argwohn ver⸗ anlaßt worden war.

EChe der Profeſſor davon ging, wandte er ſich noch einmal zu Calle und bemerkte:

„Wie kommt es, daß eine Frau mit einer ſo ſchönen Hondſchrift, wie die hier auf dem Briefe, ſich keinen andern Nahrungszweig als das Nähen ge⸗ wählt hat?“

„Sie war und iſt ſehr arm,“ erwiederte Calle, und hat nicht viel mehr gelernt, als die Nadel zu führen.“

„Sie kann ja ſchreiben; was hindert ſie, ſich mit Reinſchrift zu befaſſen? Das iſt viel lohnender und minder geiſttödtend.“

„Vermuthlich kommt es daher, daß ſie noch keinen ſolchen Auftrag erhalten, oder auch nur daran ge⸗ dacht hat, etwas der Art übernehmen zu können,“ erwiederte Calle, welchem es bei den Fragen des Profeſſors gar nicht wohl zu Muthe war. Er hatte gleich allen Andern von Schneider als einem Mann ſprechen gehört, welcher, wenn es ſich um Frauen handelte, nichts weniger als gewiſſenhaft war. Im Laufe der letzten Jahre hatte er allerdings ſein In⸗ tereſſe ausſchließlich der Kunſt zugewendet; allein es war Calle deſſen ungeachtet im höchſten Grade zu⸗ wider, mit ihm von Gerda auch nur zu reden.