27
bezahlte, noch immer nicht das erhielt, was ihm in Wirklichkeit gebührte. Calle erhielt bei dieſem Arrangement Gelegenheit, ſehr viel Geld zu verdienen, und da er ſparſam und ordentlich war, legte er ſich allmählig ſo viel zurück, um damit die Koſten einer künftigen Kunſtreiſe zu beſtreiten.
Calle bewohnte in des Profeſſors Hauſe ein ziem⸗ lich großes Zimmer. Daſſelbe glich mehr einem Ma⸗ gazine von allerlei Kunſtkram und Kunſtwerkzeug, als einer menſchlichen Behauſung. Da fanden ſich Staffe⸗ leien, Modelle, Pinſeln, Marmorſtücke, Meißel, Palskken, Gypsfiguren und Gemälde, Entwürfe zu Gemälden, halbfertige Statuetten, in Marmorfragmenten ausge⸗ hauen, und eine kleine Sammlung Bücher. Ein paar Stühle, ein Bett in einer Ecke, drei Tiſche ſammt einem kleinen Schreibpulte und einem winzigen Spiegel bildeten das Meublement. Und dieſes war zugleich in dem dunkelſten Winkel des Zimmers unterge⸗ bracht und zwar ſo, daß es den möglichſt geringen Raum einnahm.
„Hinter einem großen Schirm, welcher vor einer andern Ecke des Zimmers aufgeſtellt war, befand ſich Etwas, woran Calle in aller Stille arbeitete, ohne daß Jemand mit einem Blick in dieſen abgeſchloſſenen Raum dringen durfte.
So lang der Burſche, welcher ſein Zimmer in Ordnung zu halten berufen war, dieſer wichtigen Funktion oblag, blieb Calle ſtets an Ort und Stelle, ſo daß es demſelben nicht geſtattet war, auch nur in die Nähe des myſtiſchen Schirmes zu gelangen.— Beſuche empfing Calle niemals. Er ſtand in keiner weitern Berührung mit ſeinen Kameraden, als daß


