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Gerda beſaß von dem Gehalt, der ihr im Hauſe des Fabrikbeſitzers Strömberg bezahlt worden war, die Summe von hundertundfünfzig Reichsthalern, welche ſie für ſich erübrigt und in der Sparkaſſe angelegt hatte. Jetzt wollte Gerda ſie zur Erlernung von irgend etwas anwenden, das ihr eine mehr geſicherte ökono⸗ miſche Lage verſchaffen könnte. Sie hatte es ſich reif⸗ lich überlegt, Unterricht im Zeichnen zu nehmen. Sie beſaß ihrer Meinung nach keine geringe Anlage dazu und empfand große Luſt, ſich ein Talent anzueignen, welches ihr einen guten Verdienſt verſchaffen konnte. Mit Nähen und Sticken konnte ſie ſelbſt bei vier⸗ zehnſtündiger noch ſo eifriger Arbeit ſich täglich doch nicht mehr als etwa anderthalb Reichsthaler*) ver⸗ dienen; aber es gab auch Zeiten, wo ſie bei aller Anſtrengung doch nicht mehr als einen Thaler heraus⸗ ſchlug. So lang ſie keine andere Beſchäftigung fand, war es ihr nicht möglich, mehr als was für das augenblickliche Bedürfniß eben zureichend war, zuſam⸗ menzubringen: von einer Erſparniß konnte ſomit niemals die Rede ſein. Stellten nun Alter und Krank⸗ heit ſich ein, ſo ſtand ſie ohne Brod da. Sie ſah an ihrer Mutter Beiſpiel, wie emſiges Arbeiten und beſtändiges Stillſizen vor der Zeit ihre Geſundheit untergraben hatte, und obwohl Marianne ſeit der Operation an dem Beine wieder ziemlich zu Kräften gekommen, war ſie doch zeitweiſe dagegen krank, daß ſie nicht arbeiten konnte. Daß Marianne jetzt Jahr um Jahr wieder ſchwächer wurde, blieb eine unbe⸗ ſtrittene Wahrheit, und Gerda ſah mit Unruhe der
*) Ein ſchwed. Thaler Reichsmünze= 11 ¼ Gr. Crt.


